Impressum









12.02. bis 26.03. 2017

Pli Score Pli

Mary Bauermeister / Christian Jendreiko


Pli Score Pli 

Mary Bauermeister. Werke 1957-1967


Die Solinger Ausstellung Pli Score Pli stellt unbekannte Aspekte des Frühwerks Mary Bauermeisters in den Fokus. Meist wird lediglich die außergewöhnliche Materialvielfalt und bildnerische Experimentierfreude der Künstlerin thematisiert. Graphit, Farben, Worte treffen auf Steine, Treibholz, sizilianische Bettlacken oder gläserne Linsen. Doch liegt der sinnlichen Erscheinung dieser Werke ein systematischer Entstehungsprozess zugrunde. Der intellektuelle Ursprung ihrer Bildideen und die Affinität zu zeitgenössischer Musik mögen vielleicht nicht sofort erkennbar sein – bei näherer Betrachtung sind sie aber unverkennbar.


Die strukturellen Bildfindungen stehen unter dem Einfluss von zeitgenössischer Musik, seriellen Kompositionen, Happening, Fluxus und Postmodern Dance. Mathematisches Kalkül und rationale Prinzipien sind Grundlage der malerischen Kompositionen, die wie „Scores“ (englisch für Musikpartituren) angelegt sind. Die avantgardistischen Notationen von den progressiven Komponisten der frühen 1960er-Jahre bezogen grafische sowie schriftliche Elemente ein, weswegen Künstlerinnen wie Mary Bauermeister durch ihr bildnerisches auch das musikalische Denken der Zeit veränderten. 


Neben den kompositorischen Überlegungen weist das Frühwerk Bauermeisters aber vor allem ein räumliches Gestaltungsprinzip auf. Durch das Falten von Papieren erschloss sie neue Raumdimensionen, erzeugte Spiegelungen und ließ Bilder über den Rahmen auf die weißen Ausstellungswände hinauswandern. „All things are involved in all other things“ ist einer ihrer Leitgedanken, der auch ihr spirituelles Verhältnis von innen und außen, Natur und Kultur, den Einfaltungen der kleinsten Details ins Makrokosmische umfasst. Die Ausstellung schlägt somit den Bogen vom musikalischen zum philosophischen Bezug ihres komplexen Werkdenkens und lädt die Besucher ein, das bekannt-unbekannte Œuvre der Künstlerin endlich mit eigenen Augen und Ohren zu entdecken. 


Mary Bauermeister (*1934 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet im Oberbergischen Land) gilt als eine der wichtigsten Impulsgeberinnen für die rheinische Kunstszene: In ihrem Kölner Atelier trafen sich Anfang der 1960er-Jahre Künstler wie Nam June Paik, John Cage, die Düsseldorfer Gruppe Zero oder Theodor W. Adorno. Ihr Umfeld wird „als die Urzelle des Aufstiegs Kölns zur Kunstmetropole“ (Wulf Herzogenrath) angesehen.


Nachdem sie 1962 im Stedelijk Museum Amsterdam gemeinsam mit dem Komponisten und späteren Ehemann Karlheinz Stockhausen eine Ausstellung hatte, wagte sie sich ohne finanziellen Rückhalt nach New York, die neue Hauptstadt der Kunst. Dort wurden ihre Werke vom Museum of Modern Art angekauft, dort diskutierte sie mit Robert Rauschenberg und Andy Warhol. Heute gilt sie unbestritten als eine zentrale Position der nachkriegsdeutschen Kunstszene, kunsthistorisch wurden ihre Werke in Deutschland bisher jedoch viel zu wenig verortet. In Amerika erhielt sie zuletzt u. a. eine Retrospektive und die New York Times titelte 2016: „Mary Bauermeister, Omniverse“.


Christian Jendreiko (*1969 in Recklinghausen, lebt und arbeitet in Düsseldorf) beschäftigt sich mit dem Entwurf einer algorithmusbasierten Kunst in Form von Instrumentalaktionen, für die er eine spezielle Art der Verbalnotation entwickelt hat. In diesem Kontext entstehen auch Zeichnungen, Collagen und Installationen. Jendreikos Arbeit kann als eigenwilliger Beitrag zu den methodischen Ansätzen des „Spekulativen Realismus“ gelesen werden und ist weltweit in Museen, Galerien und Kulturinstitutionen zu erleben. 2003 wurde eine Reihe seiner Arbeiten in die Sammlung des Musée d’Art Moderne, Centre Pompidou, Paris aufgenommen.


Jendreiko arbeitet gerne kollaborativ an einem „postpartikularen Kunstbegriff“: seit 31 Jahren mit Stefan Werni als Duo Werni & Jendreiko, seit 1998 als Mitglied der Düsseldorf-Londoner Künstlergruppe hobbypopMUSEUM. 


Jendreiko war Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg, und ist derzeit Gastprofessor an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf. 

 

RAHMENPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG PLI SCORE PLI


Sonntag, 19. Februar 2017 
12.30 Uhr
Performance mit Christian Jendreiko


Sonntag, 12. März 2017
11.15 Uhr
Öffentliche Führung mit Mary Bauermeister


Sonntag, 19. März 2017 
11.15 Uhr
Öffentliche Führung mit Mary Bauermeister


Sonntag, 26. März 2017
11.15 Uhr
Öffentliche Führung mit Christian Jendreiko


12.30 Uhr
Künstlergespräch mit Mary Bauermeister und Christian Jendreiko
Leitung: Dr. Wilfried Dörstel, Kurator der Ausstellung 


14.00 Uhr
Werke Mary Bauermeisters als musikalische und choreografische Partituren – Musik- und Tanzperformance


15.00 - ca. 18.00 Uhr
Bild und Klang als metaphysische Kraft – Tagung zum Werk Mary Bauermeisters
Teilnehmer u. a. Prof. Dr. Anne-Marie Bonnet, PD Dr. Michael Hirsch, Dr. Wilfried Dörstel, Alexander Kleinschrodt, Hauke Ohls 


Öffentliche Führungen finden an jedem Sonntag um 11.15 Uhr statt.
 


Abb. 1-2: Mary Bauermeister

Abb. 3-4: Christian Jendreiko

 

Zeitungsberichte:

pdf-Download - NY Times

pdf-Download - Spex

pdf-Download - Zeitmagazin