13.02. bis 7.03.2021
Jahresschau der Solinger Künstler

 

Das Kunstmuseum Solingen zeigt die Jahresausstellung des Vereins Solinger Künstler e.V. und die Einzelausstellung von Manuela Stein.

Das Kunstmuseum und der Künstlerverein SK, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1919 zurückreichen, sind seit vielen Jahren eng miteinander verbunden. Einmal im Jahr haben die Künstlerinnen und Künstler die Gelegenheit, ihre aktuellen Arbeiten in den Räumen des Museums zu präsentieren. Die Vernissagen und Finissagen sind normalerweise beliebte und sehr gut besuchte Veranstaltungen.
Doch was bisher normal war, muss sich Corona bedingt verändern. Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, wie wichtig Kunst und Kultur sind. Und auch wie stark das Bedürfnis der Menschen ist, daran wieder teilzuhaben.

Die diesjährige Ausstellung nimmt Bezug auf die Situation von Kunst und Kultur in diesen besonderen Zeiten der Pandemie. Mit dem Titel „CELLULA“ greifen die Solinger Künstler das Thema Rückzug, Isolierung, Besinnung, das Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz, aber auch nach Lebendigkeit und Zuversicht auf und präsentieren den Besucherinnen und Besuchern 18 künstlerische Positionen in einem veränderten Raum- und Ausstellungskonzept.

„CELLULA“ stellt mit verlosten Raum-Zuordnungen unabänderliche Bedingungen für jede einzelne Künstlerin und jeden Künstler. Für die nach dem Zufallsprinzip verteilten Raumzellen schafft jeder Künstler seine individuellen Lösungen und füllt seinen Raum mit eigenen Themenschwerpunkten, Motiven, Gestaltungsweisen in präferierten Techniken und Materialien.

 

13.02. bis 7.03.2021
CLOSE AWAY – Einzelausstellung Manuela Stein

 

Die Einzelausstellung CLOSE AWAY der interdisziplinär arbeitenden Solinger Künstlerin Manuela Stein versteht sich als Reflexion über Nähe und Distanz. Und dabei geht es ihr nicht in erster Linie um die Erfahrung mit Corona. Vielmehr ist die gesamte künstlerische Arbeit von Manuela Stein geprägt von einem Wechselspiel dieser beiden Pole.

In CLOSE AWAY betrachtet die Künstlerin die Bedeutung von realem und virtuellem Sein, von menschlicher Nähe und Anonymität in einer immer komplexer werdenden Welt: Die fortschreitende Digitalisierung, exponentiell steigender Wissenszuwachs in Forschung und Technik – all das macht es immer schwerer, negative Folgen wie positive Errungenschaften abzuwägen und einzuschätzen. Ob Entfremdungserscheinungen oder Entmenschlichungstendenzen einerseits, ob Innovationsschübe, neue Formen des Arbeitens und Zusammenlebens andererseits. Durch Covid 19 wurde und wird diese Entwicklungen noch einmal enorm beschleunigt.

Manuela Stein wertet nicht. Sie schafft Bilder und Räume, die das individuelle Suchen und das Zurechtfinden in dieser disruptiven Welt reflektieren.

 

Vorgehen und Arbeitsweise

Manuela Stein fokussiert mit der Kamera Details ihres Körpers. Die Oberfläche der Haut wird zum künstlerischen Ausgangsmaterial, zum Werkstoff. Im Wechselspiel von Nähe und Distanz, Objektivität und Emotionalität nimmt sie Teile ihres Körpers in einer Weise ins Visier, dass z. B. Füße und Hände, Finger und Zehen beinahe abstrahiert erscheinen und nicht immer auf Anhieb zu erkennen sind. Sie spiegelt und verdreht, sie wiederholt und kopiert, sie bearbeitet und stellt in neue Zusammenhänge.

Die mitunter sehr intime Sicht auf Körperdetails wird durch die gewählte Präsentation und die Benennung der Arbeiten versachlicht: Aspekte naturwissenschaftlicher Sammlungen und typologischer Ordnungsreihen aus Flora und Fauna werden ebenso assoziiert wie die archivierende und anonymisierende Verwaltung persönlicher Daten und Eigenschaften. Der technische Apparat der Fotokamera wird im Aufnahmeprozess zu einem neutralisierenden Scanner, der ungerührt diese Daten erfasst.

„Es ist also eine Haltung, die eine ständige Pendelbewegung zwischen gegensätzlichen Polen realisiert. Eine Arbeit und eine Haltung, die den menschlichen Körper zu einem hybriden Objekt verwandeln, zwischen Körperglied und Skulptur, zwischen Hautrissen und Zeichnung. Aber dieses Objekt verkommt nicht zum sterilen Laborgegenstand, sondern wird stets mit einer subjektiven Experimentierfreudigkeit manipuliert und animiert.“ (Dr. Emmanuel Mir)